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Brenner Endodontie

Wissen / Biologische Zahnmedizin

Heilung statt Mythen

Biologische Zahnmedizin ist ein richtiger und notwendiger Ansatz. Der Körper ist ein zusammenhängendes System, und Entzündungen im Mund können den übrigen Organismus belasten. Wissenschaftlich fundierte biologische Zahnmedizin muss aber klar von Strömungen abgegrenzt werden, die den Erhalt wurzelbehandelter Zähne grundsätzlich ablehnen.

Der Mythos vom „toten Zahn“

Oft wird vor sogenannten toten Zähnen gewarnt. Ein Zahn, dessen Nervgewebe entfernt wurde, ist aber kein Fremdkörper. Er wird weiter über den Zahnhalteapparat versorgt und bleibt in das körpereigene Gewebe eingebunden. Das eigentliche Problem ist nicht der behandelte Zahn, sondern die unbehandelte bakterielle Infektion im Zahninneren.

Wurzelbehandelter Zahn und Implantat im Knochen Der wurzelbehandelte Zahn hängt über das parodontale Ligament elastisch im Kieferknochen. Das Implantat ist starr mit dem Knochen verwachsen. Wurzelbehandelter Zahn Implantat Parodontales Ligament elastische Aufhängung,weiter durchblutet gefüllterKanal Kieferknochen direkt mit demKnochenverwachsen

Akute Infektionen schmerzen. Chronische Infektionen wie eine unentdeckte Entzündung an der Wurzelspitze (apikale Parodontitis) sind tückischer: Sie verursachen eine stille, systemische Entzündung, die das Immunsystem dauerhaft belastet und mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Komplikationen bei Diabetes in Verbindung gebracht wird. Eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung senkt diese Belastung deutlich. Die Vorstellung, ein behandelter Zahn sei ein dauerhafter Krankheitsherd, ist wissenschaftlich widerlegt.

Symptombehandlung oder Therapie?

Gegner der Endodontie behaupten oft, eine Wurzelbehandlung unterdrücke nur Symptome. Das Gegenteil ist der Fall: Ziel ist die vollständige Entfernung der bakteriellen Antigene und Toxine aus dem Kanalsystem. Das entfernte Gewebe ist zu diesem Zeitpunkt bereits irreversibel geschädigt und erfüllt keine Funktion mehr.

Ein Vergleich: Bei einer tiefen, eitrigen Entzündung durch einen eingewachsenen Nagel, bei der umliegendes Gewebe bereits abgestorben ist, entfernt die Therapie den Auslöser und das nicht mehr vitale Gewebe, bevor die Wunde verschlossen wird. Den ganzen Zeh amputiert man nicht, solange sich der Defekt sauber ausräumen und verschließen lässt.

Nichts anderes leistet die Endodontie: Bakterien und abgestorbenes Gewebe werden aus dem Kanalsystem entfernt, der gereinigte Raum wird bakteriendicht versiegelt, statt den Zahn zu ziehen.

Anders als eine Wunde heilt der Kanal danach nicht durch neue Durchblutung, sondern nur durch vollständige Reinigung und Versiegelung. Bleiben Bakterien zurück, hat das Immunsystem in diesem Raum keinen Zugriff, ein Rückfall wird wahrscheinlicher. Deshalb entscheidet die Präzision der Aufbereitung über den Erfolg, und deshalb arbeite ich ausschließlich unter dem Operationsmikroskop und mit laseraktivierter Spülung.

NICO und Störfelder

Begriffe wie NICO (Neuralgia-Inducing Cavitational Osteonecrosis) oder Störfelder sind heute verbreitet, obwohl es für die zugrunde liegenden Konzepte keine belastbare Evidenz gibt. Zusammenhänge zwischen vermeintlich versteckten Kieferherden und einer Vielzahl systemischer Erkrankungen ließen sich bislang nicht reproduzierbar nachweisen. Chronische apikale Entzündungen sind reale, diagnostizierbare Befunde. Die Störfeldtheorie beruht dagegen überwiegend auf Hypothesen und subjektiven Interpretationen, nicht auf anerkannten diagnostischen Kriterien.

Problematisch wird das, wenn aus unsicheren Diagnosen irreversible Therapien folgen. Die Entfernung erhaltungswürdiger Zähne oder chirurgische Eingriffe in unauffälligen Kieferbereichen können dauerhaft schaden, ohne nachweisbaren Nutzen. Biologische Zahnmedizin heißt, Entzündungen zu erkennen und zu behandeln, nicht überall versteckte Herde zu vermuten.

Ein Implantat ist ein sehr guter Zahnersatz, wenn ein Zahn wirklich verloren ist. Besser als der eigene, entzündungsfrei erhaltene Zahn ist es nicht.

Erfolg und Überleben sind nicht dasselbe

Ein häufiger Denkfehler entsteht beim direkten Vergleich von Erfolgsraten aus Endodontie und Implantologie. Beide Fächer messen mit unterschiedlichen Maßstäben.

Endodontie: Erfolgsrate

Der Zahn muss beschwerdefrei sein und im Röntgenbild keine Entzündungszeichen zeigen. Schon eine fortbestehende Aufhellung an der Wurzelspitze gilt häufig als Misserfolg.

Implantologie: Überlebensrate

Ein Implantat gilt als erfolgreich, solange es sich im Mund befindet, auch wenn bereits Mukositis oder Periimplantitis vorliegt.

Der Satz „Implantate sind erfolgreicher als Wurzelbehandlungen“ vergleicht deshalb oft unterschiedliche Endpunkte. Vergleicht man entzündungsfreie Zähne mit biologisch gesunden Implantaten, wird der Unterschied deutlich kleiner. Die bessere Frage ist, welcher Zustand langfristig die beste Gesundheit und Lebensqualität ermöglicht.

Endodontie und Diabetes

Wie evidenzbasierte biologische Zahnmedizin aussieht, zeigt das Zusammenspiel oraler Entzündungen mit Diabetes mellitus. Diabetes vermindert die Durchblutung aller Gewebe, die Immunabwehr sinkt, die Infektanfälligkeit steigt. Erkrankungen und Nekrosen der Pulpa treten bei Diabetikern deutlich häufiger auf.

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häufiger apikale Parodontitis an wurzelbehandelten Zähnen von Diabetikern

Gupta et al., Int Endod J 2020

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höhere Wahrscheinlichkeit für apikale Parodontitis auf Patientenebene bei Diabetes

Liu et al., J Endod 2023

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höheres Extraktionsrisiko bei apikaler Parodontitis nach Wurzelbehandlung bei Diabetikern

Cabanillas-Balsera et al., Int Endod J 2019

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häufigerer Nachweis von Candida albicans im Wurzelkanal bei Diabetikern

De la Torre-Luna et al., Eur J Clin Microbiol Infect Dis 2019

Diabetes verändert zudem den Knochenstoffwechsel und verzögert die Heilung an der Wurzelspitze nach einer Behandlung. Dabei gilt es, streng evidenzbasiert zu bleiben: Eine Erkrankung endodontischen Ursprungs verursacht keinen Diabetes. Bei Typ-2-Diabetikern korreliert ein schlechterer Befund an den Wurzelspitzen aber nachweislich mit höheren HbA1c-Werten und einer schlechteren Blutzuckereinstellung.

Biologische Zahnmedizin zielt auf die Ausheilung von Entzündungen und den Erhalt körpereigener Strukturen. Die Endodontie ist dazu kein Widerspruch, sondern eines der präzisesten Werkzeuge dafür.

Fragen zu Ihrem Zahn?

Termine vergibt das Team der Praxisklinik Dr. Seiler & Kollegen in Kirchheim unter Teck. Bei akuten Schmerzen bitte am Vormittag anrufen.

Termine über die Praxisklinik in Kirchheim07021 9319970